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Schematisierter Ausgrabungsplan der Stadtruine Tall Munbāqa mit den identifizierten Stadtmauern, Straßen, Tempeln und besonderen Werkstattgebäuden der spätbronzezeitlichen Stadt Ekalte.

Blick auf das Haus B im Grabungsbereich «Ibrahims Garten». Im Vordergrund liegt der Hauseingang. Fast vollständig sind die großen, einst verputzten, aus Kalksteinen gebauten Sockelmauern erhalten. Auf ihnen wurden die bis zu 80 cm dicken Wände aus luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet. Die Häuser sind nur teilweise zweigeschossig. Eine feste Treppe führte zum aus Holzbalken, Schilf und Lehmschlag konstruierten Dach, dem wichtigen «Lebens- und Arbeitsraum» der Bewohner dieses altorientalischen Stadthauses.  

Der Grabungsbereich «Ibrahims Garten» im Südwesten der Stadt Ekalte zeigt den Grundriß eines dicht bebauten Stadtquartiers an der Stadtmauer mit seinen großen Häusern, der Hauptstraße und den engen Gassen.  
Ekalte. Eine bronzezeitliche Stadt in Syrien

Syrien, seit 1969

Stadtplanung

Diese altorientalische Stadt der Mitte des 2. Jt. v. Chr. ist planmäßig angelegt worden. Wir können das zugrundeliegende Planungsdenken im Hinblick auf die funktionalen Abläufe nachvollziehen. Die vorgefundene, von der Flußlage, von Wadis und von den Ruinen der früh- bzw. mittelbronzezeitlichen Siedlung geprägte Topographie beeinflußt die Planung der spätbronzezeitlichen Stadt. Man paßte sich mit möglichst wenig Aufwand den Gegebenheiten an. Das städtische Erschließungssystem mit den Haupt- und Nebenstraßen, wodurch zugleich die Siedlungsflächen aufgeteilt sind, wurde offenbar «vorgedacht». Die (öffentlichen) Bewegungs- und Außenräume der Stadt Ekalte, ihre Linienführung und Dimensionierung, sind der Grundgedanke für die Stadtstruktur. Sie ergaben sich nicht durch Offen- und Freilassen wie bei agglutinierenden Bebauungen. Sie wurden geplant.

Kurze und möglichst direkte Wegebeziehungen sind kennzeichnend für das im Grundkonzept orthogonale Straßennetz. Das Stadtkonzept wirkt rational, als sei es zielgerichtet für bestimmte denkbare Funktions- und Bewegungsabläufe konzipiert. Der Stadtgrundriß wirkt wie nach praktischer Erfahrung als sinnvoll abgestimmt, nicht wie angelegt gemäß einer zentral bestimmten Vorgabe. Er scheint andererseits in einem Planungsakt zusammenhängend und flächendeckend auf den geordneten Ablauf alltäglicher Funktionen ausgerichtet worden zu sein. Eine herausgehobene funktionale Stadtmitte, zu der die Straßen führen, fehlt. Der Eindruck entsteht, als hätten die Tempel ohne die Stadt und die Stadt ohne die Tempel existieren können.

Die Stadttore sind über die Hauptstraßen möglichst direkt verknüpft und schnell erreichbar. Die Erreichbarkeit der großen Tempel, auf kurzem Weg von den Stadttoren her, schien wichtiger gewesen Zu sein als deren schnelle Erreichbarkeit aus verschiedenen Teilen der Stadt selbst. Nur durch zwei Tore in der Umfassungsmauer des Stadtkerns waren sie landseitig zugänglich. Die Erbauer von Ekalte hatten diese Tore arbeitssparend dort gebaut, wo die Tore auch in der wiederbesiedelten frühbronzezeitlichen Anlage gelegen hatten. In ihrer Nähe wurden das «Nord-Tor» und das «Süd-Tor» errichtet. Auf der Flußseite spricht der Grabungsbefund «intra muros» für mehrere Auf- bzw. Zugänge zu den Tempeln und zu den ufernah gelegenen Stadtbereichen. Der kurze Weg zum Wasser war für alle in der Stadt wichtig. Die Uferzone, wo der Befund auf Flußhafennutzungen hindeutet, war auch «extra muros» über die beiden Wa-dis, die Ekalte unmittelbar im Norden und Süden begrenzen, erreichbar.

Im Südwesten der Ruine, wo heute bis in jüngste Zeit hinein gewaltige Dieselmotoren Pumpen zur Bewässerung der hochgelegenen Felder mit Euphratwasser antrieben, wurden die Reste eines ganzen Stadtquartiers freigelegt. Es erhielt den Namen «Ibrahims Garten», eine Erinnerung an den Gemüsegarten des Betreuers der Wasserpumpen. In diesem Stadtteil zeigen sich die Einzelheiten der Straßen-, Platz- und Gassenerschließung sowie die des Bebauungssystems. Die Dimensionierung der teilweise platzartig erweiterten Hauptstraße vermittelt den Eindruck von raumgreifendem städtischen (öffentlichem) Geschehen. Von ihr zweigen in regelmäßigem Abstand rechtwinklig schmale, gerade geführte Sackgassen in Richtung Stadtmauer ab. Sie wirken eher wie (halböffentliche) Wohnstraßen. Die in der Quartiersmitte liegende Hauptstraße findet sich auch in der «Innenstadt». Sie führt vom «Nord-Tor» zum «Süd-West-Tor». Der geschickteren Parzelleneinteilung wegen sind in der «Innenstadt» zu ihr parallele Straßen angeordnet. Es ergeben sich sowohl B auflachen für nebeneinander stehende Häuser in «Back-to-back»-Anordnung, erschlossen jeweils von einer Straße, als auch Flächen für Häuser, die zweiseitig von Straßen begrenzt werden.

Stadtbefestigung und Tore

Auch die bis zu 10 m hoch anstehenden Stadtwälle wurden an ausgewählten Stellen untersucht. Noch ist unklar, weshalb bzw. nach welchem Ereignis die markanten Stadtwälle aus Kies über 3 m breiten Stadtmauern aus ungebrannten Lehmziegeln auf Steinsockeln geschüttet wurden. Es wurden vier Stadttore ausgegraben, zwei führen in die «Außen-» und zwei in die «Innenstadt». Das in die «Außenstadt» führende «Nord-Ost-Tor» hatte ein aus luftgetrockneten Lehmziegeln gebautes Torgewölbe. Es war aber in einer späteren Phase von außen mit einer Steinmauer zugesetzt worden. Möglicherweise hatte es seine Funktion an das «Ost-Tor» abgegeben, eine in den Kieswall gebaute Toranlage mit einem äußeren Vorhof, einem Durchgang und mit innerer Torkammer. Das wichtigste Stadttor ist das den Tempeln nächstgelegene «Nord-Tor». Es ist ein typisches Zweikammer-Tor mit 16 m Länge. Die beiden Kammern messen 3 m x 5,5 m bzw. 6,5 m, der Torweg ist 2,5 m-3,5 m breit. Sein aus Lehmziegeln und weißem Mörtel gebautes Torgewölbe ist zwar eingestürzt aber immer noch gut erkennbar.

Wohnhäuser und Handwerkerviertel

Die geputzten Wände der Häuser bestehen aus ungebrannten Lehmziegeln, errichtet auf Steinsockeln von ca. 1 m Höhe. Sie hatten Flachdächer in Rundholzkonstruktion mit Lehmestrich auf Schilf. Der Baugrund innerhalb der schützenden Stadtbefestigungen war knapp, die Häuser sind dicht an dicht gebaut. Bei der Stadtgründung wurden Gruppen mit Häusern unterschiedlicher Größe zugleich errichtet. Es wurden aber auch von Gassen umgebene Einzelgebäude sowie einzelne Häuser nebeneinander gebaut. Hinweise auf Grundstücks bzw. Rechtsverhältnisse lassen sich aus gemeinsam benutzten oder nebeneinander gesetzten Wänden benachbarter Häuser ablesen. In der gesamten Ruine konnten über 50 Häuser mit allen beweglichen Hinterlassenschaften und Einbauten ausgegraben und dokumentiert werden. Sie zeigen bebaute Flächen zwischen 55 qm und 200 qm.

Die Häuser folgen einem Grundtyp der Raumaufteilung, der auch auf Parzellen besonderen Zuschnitts angepaßt wird. Sie haben keinen Innenhof, sondern einen großen zentralen Innenraum, wie es die herabgestürzten verkohlten Holzbalken und der Zustand der Fußböden zeigen. An diesem liegen zwei bis sechs Nebenräume. Aus dem zentralen Innenraum führte eine im Sockelbereich steinerne Treppe nach oben. Es fanden sich auch vollständig aus Lehmziegeln konstruierte Treppen. Sie führten wohl auf das flache Dach. Im Schutt der Hausruinen gab es kein Indiz für ein komplettes weiteres Stockwerk mit Lehmziegel- oder Holzwänden, etwa die Reste weiterer Deckenkonstruktionen. Über Teilen der Hausgrundrisse sind zweite Stockwerke denkbar. Das Dach wurde zum Arbeiten und Wohnen benutzt. Auffallend oft ähneln sich die Einbauten des Hauptraumes: ein flaches Steinpodest in der Mitte als Feuerstelle, davor ein Sockel aus Lehmziegeln, ein Ofen zum Brotbacken und zwei niedrige Mauervorlagen, die wie «Anten» vor einen gewaltigen Steinblock gesetzt sind und wie eine Kulteinrichtung wirken. Im Hauptraum finden sich lange Sitzbänke und beinahe regelmäßig auch ein großes Steingefäß.

Es gibt aber auch andere, in der Stadt verteilte größere Gebäude. Deren steinplattenbelegte Fußböden mit Abflüssen sowie Steintrögen und kleineren Öfen weisen auf handwerkliche, produktive Tätigkeiten hin. Ein Haus wurde als «Großbäckerei» erkannt. Der innenliegende runde Backofen hat einen Innendurchmesser von 4 m. Diese Bäckerei sowie ein Haus für handwerkliche Tätigkeiten und eine Werkstatt für besondere Terrakottafiguren wurden in der «Außenstadt» freigelegt. Eine Differenzierung der Stadtquartiere nach Nutzungen ist gut vorstellbar. Die «Außenstadt» könnte ein Handwerkerviertel beherbergt haben.

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